Rotwildtelemetrie

Rotwildtelemetrie2019-04-17T15:45:33+00:00

Project Description

Raumnutzungsverhalten im Saar-Hunsrück

Die Studie wurde im Zusammenhang des Lebensraum-Modell-Projekts (LMP) durchgeführt. Neben allgemeinen Aussagen zur Streifgebietsgröße, Flächennutzung, Habitatpräferenz und zurückgelegten Wegstrecken ist die Reaktion der Tiere auf Besucherdruck auf Wanderwegen sowie auf Bewegungsjagden von Interesse. Weiterhin wurde überprüft, ob das Rotwild auf ausgebrachte Wolfslosung auf Äsungsflächen reagiert und es erfolgte eine genetische Analyse von insgesamt 223 Individuen aus dem gesamten Untersuchungsgebiet.

© Dr. Daniel Hoffmann
Gefördert durch Mittel der Jagdabgabe der Länder Rheinland-Pfalz und Saarland

Von 2010 bis 2014 wurde im Naturpark Saar-Hunsrück grenzübergreifend eine GPS-Satellitentelemetrie-Studie bei Rotwild durchgeführt. Insgesamt konnten 14 Stücke Rotwild (8 weiblich, 6 männlich) besendert werden, wobei insgesamt drei Individuen vor Ablauf der Sender erlegt wurden. Die Daten eines Alttieres konnten nicht berücksichtigt werden, da das Tier bereits am Tag nach der Besenderung erlegt wurde. Insgesamt liegen der Studie 30766 validierte GPS-Datenpunkte zu Grunde.

Unterschiedliche Streifgebiete
Erwartungsgemäß nutzen Hirsche mit bis über 5.000 ha (Methode MCP 100) deutlich größere Streifgebiete als weibliche Tiere. Während nach der MCP 100 Methode überjährig bei den weiblichen Tieren im Durchschnitt 833 ha genutzt werden, liegt der Wert bei Hirschen bei über 2.700 ha. Die MCP Methode täuscht darüber hinweg, dass die Haupteinstandsgebiete des Rotwildes letztlich als kleinräumig zu beschreiben sind. Mit einer Antreffwahrscheinlichkeit von 50 % (Kernel 50) nutzen weibliche Individuen intensiv Flächen von ca. 22,6 ha und Hirsche von 65, 2 ha. Grundsätzlich scheint der Raumanspruch von Hirschen den der Weibchen um etwa das Dreifach zu übersteigen.

Das kleinste Streifgebiet umfasst den höchsten Anteil von Waldäsungsflächen. Nachts werden deckungsarme Habitate stärker genutzt. Im Jahresverlauf ändern sich die Habitatnutzungen der Tiere aufgrund ihres Schutzbedürfnisses, der Nahrungsverfügbarkeit sowie der Brunft. Die Waldäsungsflächen werden im Gegensatz zu größeren Grünlandflächen außerhalb von Wäldern ganztägig genutzt. Dagegen werden die Grünlandflächen nachts stärker genutzt als Waldäsungsflächen, was mit größerer geschmacklicher Attraktivität der gedüngten Grünlandflächen erklärt werden kann. Die höchsten Bewegungsraten der Tiere sind in den Dämmerungsperioden sowie zur Nachtzeit zu verzeichnen. Tagsüber ist die Beweglichkeit stark eingeschränkt.

Dr. Daniel Hoffmann mit einem betäubten Rothirsch, der zum Zwecke der Telemetrie ein Senderhalsband bekommen hat. Quelle: Hoffmann
Nach Probennahme und Besenderung wird der Hirsch mit einem Medikament wieder geweckt. Quelle: Hoffmann
Ein weibliches Stück Rotwild, das einen Telemetriesendehalsband trägt. Quelle: Hoffmann
Ein weibliches Stück Rotwild, das einen Telemetriesendehalsband trägt. Quelle: Hoffmann
Junger Rothirsch mir Sendehalsband. Rotwild meidet besonders bei Besucheraufkommen Wege, die von Menschen genutzt werden.  Quelle: Hoffmann
Junger, besenderter Hirsch wacht aus der Betäubung auf. Die Bastabschürfungen sind keine Verletzungen, sondern dienen dem Abstreifen der abgestorbenen Basthaut. Quelle: Hoffmann
Rothirsch in der Feistzeit. Urheber: Dr. Nina Krüger

Weibliches Wild meidet Wege
Um die Reaktionen der Tiere mit Besucherdruck in Einklang bringen zu können wurden zwei Premiumwanderwege und ein normaler Waldweg mit Wildkameras digital überwacht. Im Gegensatz zu Premiumwanderwegen werden normale Waldwege mit sporadischem Besucheraufkommen räumlich nicht gemieden, wie es bei konstantem Wanderbetrieb gegeben ist. Ein Reaktionsunterschied auf die Stärke des Besucheraufkommens konnte nicht bestätigt werden. Im Jahresverlauf sind die zu Wegen eingehaltenen Abstände zur Setzzeit der Jungtiere aufgrund des gesteigerten Sicherheitsbedürfnisses am größten. Die Reaktionen sind aber bis 500m-Distanzen zu sehen. Besonders die weiblichen Individuen zeigen sich von Wanderwegen stärker beeinflusst als der Hirsch, da sie ihre Haupteinstände ab Abständen von 500m zu Wanderwegen anlegen. Die Bewegungsjagden konnten nur bei den weiblichen Tieren untersucht werden. Alle Tiere kehrten unmittelbar nach Ende der Jagd in ihren Einstand zurück (Maximale Zeitdistanz: 24 h). Die Lage des Wanderwegnetzes ist von entscheidender Wichtigkeit, um den Tieren eine ungestörte Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Aufgrund der Haupteinstandswahl der weiblichen Individuen sollten 1.500 bis 2.000 m Distanz zwischen Wanderwegen liegen.

Tiere meiden Wolfsland
Das Auslegen von Wolfskot erfolgte auf zwei Untersuchungsflächen, die als Wildäsungsfläche bewirtschaftet werden. Eine auffällige Meidung der Flächen nach Kotauslegung erfolgte für ca. zwei Tage vornehmlich durch weibliches Wild mit Kälbern. Das Schutzbedürfnis der weiblichen Tiere und das Risiko der Prädation werden ausschlaggebend für dieses Verhalten sein. Wenn angenommen wird, dass auch Hunde ein Meideverhalten auslösen, sollte darauf geachtet werden, dass insbesondere Wildäsungsflächen nicht von Hunden frequentiert werden.

Guter Genpool
Die genetischen Untersuchungen zeigten, dass die Rotwildpopulation im Naturpark Saar Hunsrück nicht in Subpopulationen zu untergliedern ist. Größe der Population und das Fehlen von tatsächlichen Barrieren lassen die Population sehr divers existieren. Die B 407 innerhalb des Gebietes stellt keine Barriere für Rotwild dar.

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